Der nextleader muss nicht perfekt, aber reflektiert sein

von Christina Kremper (Kommentare: 0)

Es ist eine alte Weisheit, dass sich Führungskräfte im Spannungsfeld zwischen Mitarbeiter und Unternehmen bewegen und dies managen müssen. Beispielsweise muss die Führungskraft den Mitarbeiter in seiner Entwicklung unterstützen und die Talente in ihm fördern, aber darf dabei nicht sein Business und nicht sich selbst vergessen. Liest man jetzt noch weitere Fachartikel zum Thema Führung von Morgen und was die Führungskraft alles können und tun muss, dann drängt sich schnell die Frage auf, wie der nextleader das alles schaffen soll.

Die Wahrheit ist, der nextleader kann nicht in allen Aufgaben gleich gut sein, aber er muss sich den Anforderungen und seinem Verhalten bewusst sein, um seine persönliche Lösung zu finden.

Es geht für den nextleader also besonders um die Kompetenz der Selbstreflexionsfähigkeit und diese mehr einzusetzen. Dabei kann Selbstreflexion konkreter als das Nachdenken über das eigene Denken und Verhalten verstanden werden. Der Prozess zur Reflexion erfolgt allgemein in drei Stufen:

  1. Bewusstsein über die eigenen Gedanken und Gefühle entwickeln
  2. Analyse der Situation und Verhaltensweisen
  3. Entwicklung neuer Perspektiven und Handlungsalternativen

Atkins, S., & Murphy, K. (1993). Reflection: a review of the literature.

Nicht jedem Menschen fällt es leicht, über sich selbst, seine Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen nachzudenken und häufig muss erst eine gewisse Hürde genommen werden, um den Prozess der Reflexion zu starten.  Um den ersten Schritt anzustoßen, ist Feedback ein essentieller Teil für die Selbstreflexion.

Für den nextleader ist hier die Rückmeldung aus dem Arbeitsumfeld besonders wichtig. Bekannt ist die Methode des 360°-Feedbacks, bei der die Führungskraft von Mitarbeitern, Kollegen und Vorgesetztem Feedback erhält. In vielen Unternehmen sind Mitarbeiterumfragen und 360°-Grad Prozesse etabliert,  doch besteht dabei auch die Gefahr, dass diese institutionalisiert sind und persönliches, wertschätzendes Feedback nicht berücksichtigen. Warum nicht jedes Quartal ein persönliches Gespräch zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem? Durch gegenseitiges Feedback weiß dann jeder, wo er steht. Ein formalisiertes Jahresgespräch reicht nämlich schon heute nicht mehr aus.

Diese Rückmeldungen werden in der dynamischen Welt von morgen immer wichtiger, damit der nextleader erkennt warum er wie wahrgenommen wird. Dies ist zu analysieren und mit dem Selbstbild zu den eigenen Verhaltensweisen, Motiven und Wertvorstellungen abzugleichen. Denn nur damit kann er oder sie die richtigen Prioritäten setzen und für Aufgaben und Themen, die ihm nicht liegen, die notwendigen Lösungsstrategien entwickeln.

Diesen letzten Schritt im Berufsalltag umzusetzen wird für den nextleader nicht immer einfach sein, weshalb auch off-the-job Trainings helfen können, neue Perspektiven einzunehmen und entwickelte Lösungsstrategien im geschützten Rahmen auszuprobieren. Hierzu sind besonders verhaltensorientierte Maßnahmen wie beispielsweise Rollenspiele, Simulationen oder andere erfahrungsbasierte Methoden hilfreich, bei denen im Anschluss die gezeigten Verhaltensweisen reflektiert werden.  So werden ablenkende Reize des Arbeitsalltags ausgeblendet und Zeit sowie persönlicher Freiraum für die Selbstreflexion geschaffen.

Denn um erfolgreich zu sein, muss der nextleader nicht alles können, sich aber mit den Grenzen des Machbaren und der Vision des Möglichen, sowie mit der eigenen Motivation und Energie, die Führungsherausforderungen zu übernehmen, auseinandersetzten. Und das ein Berufsleben lang!  

 

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