Was von Führung übrigbleibt

von Katharina Schlichting (Kommentare: 0)

Wenn Dr. Felser (Netskill Solutions) einlädt, sind volle Hallen garantiert. So auch am 28. März auf dem #NextChampions. Dieses Mal versammelte man sich zwischen Bällebädern und Inspirationsattraktionen im Phantasialand, um in Fishbowls, Podiumsdiskussionen und verschiedenen Sessions zu diskutieren, Ideen auszutauschen und zu networken. Themen waren u.a. tragfähige Erfolgsmuster für Hidden Champions und andere Unternehmen in den relevanten Gestaltungsbereichen Marketing, New Work und HR und Industrie 4.0.

Moderiert von Erwin Stickling (Personalwirtschaft) bekam Michael Kühner von Strametz & Associates die Gelegenheit, in seiner Session über das Thema Next Leadership zu sprechen und zusammen mit Christina Schulte-Kutsch (Telekom), Oliver Maassen (Trumpf) und zahlreichen Teilnehmern darüber zu diskutieren, was heute, in Zeiten der Selbstorganisation und Nicht-Führung, überhaupt noch von Führung übrigbleibt.

Einstieg in das Thema Next Leadership

Der Universität St. Gallen zufolge gibt es zentrale Erfolgskriterien, um die Umsetzung von neuen Arbeitswelten erfolgreich zu meistern. Sinnstiftende Führung, Kultur, Selbstorganisation und der Fokus auf den Menschen stehen bei erfolgreichen Vorreitern im Vordergrund. Ihr Anspruch ist gekennzeichnet durch ihre Hochleistung, Innovation und hohe Mitarbeiterbindung.
Sind die Erfolgskriterien jetzt aber alles neue Dinge, die die Unternehmen in ihre Führungsansätze integrieren müssen, um sich erfolgreich in neuen Arbeitswelten behaupten zu können? Oder sind das vielleicht auch Themen, die ohnehin Bestandteile grundlegender Führungsskills sind? Schließlich geht es hier um den Menschen selbst, der ja seit jeher der wichtigste Bestandteil einer Organisation ist.

 

Erfolgreiche Pioniere in neunen Arbeitswelten

 

In unserer eigenen Studie „Anforderungen an Führungskräfte und Auswirkungen auf die Führungskräfteentwicklung“ haben wir gefragt, welches Verhalten die Führungskräfte vor dem Hintergrund künftiger Arbeitswelten am stärksten verändern müssen.

Anforderungen an Führungskräfte

Interessant ist, dass 20 Prozent der gegebenen Antworten darauf zielen, dass ein bestimmtes Verhalten zu unterlassen ist. Gewünscht wird weniger hierarchische Führung über Ansagen und Direktion, was vermutlich durch die neu aufkommenden Organisationsformen an oberste Stelle tritt. Die Tendenz zur geringer werdenden Positionsmacht von Führungskräften ist deutlich erkennbar. So überrascht es auch nicht, dass Verhaltensweisen zur Führung des eigenen Selbst stärker in den Fokus rücken, um zukünftig in veränderten Strukturen weiterhin erfolgreich führen zu können.

Insgesamt steht auch hier der Mensch selbst im Vordergrund und weniger die harten, ökonomischen Fakten. Das ist auch der Fokus, den wir beim Thema Next Leadership sehen. Nicht nur die Digitalisierung und globale Trends verändern die Arbeitswelt, sondern die Ressource Mensch bleibt der entscheidene Wettbewerbsfaktor.

Was muss alles neu sein?

Auf die Frage, inwieweit Next Leadership bei der Firma Trumpf bereits gelebt wird, verriet der Personalchef Oliver Maassen, dass er schon froh sei, wenn erst mal „normales Leadership“ funktionieren würde – wie könne er da schon an Next Leadership denken? Reicht nicht erst mal Führung in Grundlagen oder muss direkt immer alles „neu“ oder „new“ sein?

Genau das ist das Entscheidende an unserem Next-Leadership-Ansatz und Führungsverständnis. Für uns ist es wichtig, jede Organisation individuell zu betrachten. An „Next“ Leadership kann daher immer gearbeitet werden, da wir es als zeitlosen Ausdruck verstehen (was ist der nächste Schritt, den ein Unternehmen braucht, um seine Führungskultur weiterzuentwickeln?). Es wird immer einen next step geben, und der ist eben immer an die derzeitige Situation der Organisation angepasst.

Ist Führung noch erstrebenswert?

Was aber ist Führung in Zukunft ohne ihre Führungskräfte noch wert? Die einen setzen auf selbstorganisierte Teams, die ohne eine disziplinarische Führungskraft auskommen. Die anderen empfinden, dass Führung stärker wird. Schließt sich das gegenseitig aus? Nein. Denn geführt wird immer, egal ob hierarchisch getrieben oder durch fachliche Kompetenz oder aufgrund von Charisma.

In die Runde geworfen wurde die Frage, ob Führung für die jungen Leute noch attraktiv ist. Denn oft entsteht der Eindruck, dass viele junge Leute gar nicht mehr führen wollen, sondern lieber geführt werden. Woran könnte das liegen? Ist es die Angst vor zu viel Verantwortung und dem damit verbundenen Druck von oben? Ist es die vermeidlich zu hohe Arbeitsbelastung selbst? Fest steht, dass die Next Leader ein anderes Führungsverständnis haben als die Generationen vor ihnen und es dadurch einen Veränderungsbedarf in der Personal- und speziell in der Führungskräfteentwicklung gibt.

Wie geht man die Veränderungen an?

Michael Kühner betonte zuletzt noch einmal, dass die Werte, Einstellungen und Handlungen der Personen und damit die gesamte Führungskultur der Organisation überprüft und oft auch verändert werden muss, um die nächste Stufe der Führung langfristig umsetzen zu können. Der Prozess einer neuen Führung ist also ein langer und es bleibt spannend, wie sich die Organisationen hinsichtlich Next Leadership entwickeln werden.

… to be continued

In unserem Next-Leadership-Buch geben wir einen umfassenden Überblick über empirische Befunde, unterschiedliche Ansätze und Herangehensweisen zur Führung in neuen Arbeitswelten sowie Anregungen zur Umsetzung im Unternehmen mit Methoden und Best Practices. Wir freuen uns mit Ihnen darüber in den Austausch kommen.

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