Werteorientierte Führung in der Transformation

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Ein Gastbeitrag von Dr. Ulrich Vogel

Werteorientierte Führung in der Transformation

Werte klingen nach Beständigkeit, Transformation nach Veränderung. Wir leben stets zwischen Kontinuität und Wandel, wir bewahren und verändern. Das war schon immer so. Was ist heute anders? Die Welt wird immer komplexer und vernetzter, die technischen Entwicklungen dadurch rasanter und damit die Veränderung insgesamt atemberaubend. Wie sollen wir da als Führungskräfte „Kurs halten“? Schauen wir einmal auf die Muster hinter den Veränderungen und die Konstanten, die es zu beachten gilt.

Technik bis hin zur künstlichen Intelligenz

Als Galileo Galilei vor 400 Jahren das geozentrische Weltbild propagierte, hatte er das Grundaxiom der Naturwissenschaft gefunden – das Prinzip der Bewegung, das jeder noch aus der Schule kennt: v = s/t. Geschwindigkeit ist gleich Strecke durch Zeit. In der Technik ist alles Bewegung, und auch wir sind ständig in Bewegung mit den Molekülen und Atomen in unserem Körper. Newton hat das dann verfeinert und die Naturwissenschaftler wurden immer besser bis hin zu Einstein, Heisenberg und Hawking. Deswegen sind wir inzwischen technische Giganten und kurz davor, dass die künstliche Intelligenz nicht nur unser Navi im Auto lenkt, sondern auch beginnt, dem Menschen über alle Fachgebiete hinweg ebenbürtig zu werden oder ihn gar zu überholen. Dafür wäre es zwingend nötig, der künstlichen Intelligenz einen moralischen Grundcode zu verpassen, der menschlichen Werten entspricht.

Moralische Pygmäen

Das bringt uns zum Thema: so große technische Giganten wir sind, so wenig gewachsen sind wir in Ethik und zwischenmenschlichem Verständnis im Sinne des Miteinanders und der Hebung all unser menschlichen Potenziale. Der homo oeconomicus hat nämlich ausgedient und wir müssen uns in der Führung generell fragen, wie wir Ethik und Moral in unserem Leben stärken, um uns nicht selbst zu zerstören. Leider gab es bisher keine exakte Ethikwissenschaft, wie das in den Naturwissenschaften seit Galileo der Fall ist.

Mit Robert S. Hartman wurde dies jedoch anders. Er stellte 1949 das Axiom der Wertewissenschaft auf und konnte es auch mathematisch beweisen: Gut ist, was sein Konzept erfüllt. Was trivial klingt, ist von großartiger Bedeutung, weil es uns in die Lage versetzt, drei grundsätzliche Konzeptarten zu unterscheiden: das menschliche, das praktisch-funktionale und das prinzipiell-systemische Konzept. So leiten sich Wertehierarchien ab, die genau dem humanistischen Weltbild entsprechen und zugleich Möglichkeiten geben, „exakt zu rechnen“ und damit richtig, d.h. gut zu führen. Ergebnis: Der Mensch ist stets wertvoller als die Sache, die wiederum wertvoller ist, als das Prinzip dahinter. Wenn wir nun diese drei Konzeptarten in dreifach möglicher Weise werten, nämlich menschlich, sachlich oder systemisch, kommen wir im guten und schlechten Sinne auf insgesamt 18 Werteperspektiven, die sich mathematisch genau voneinander abgrenzen lassen. So können wir Situationen, aber auch Menschen mit Blick auf das Wertesystem dahinter vermessen und somit besser handeln. Eine wirklich revolutionäre Herangehensweise an das Thema Werte, das sonst nur diffus und wenig greifbar diskutiert wird.

Anwendung

Klingt kompliziert, ist es aber in der Anwendung gar nicht. Wenn man als Führungskraft z.B. ein Team-Meeting plant, so hat man von der Vorbereitung über die Durchführung bis hin zur Nachbereitung klare Schritte, die differenziert werden können. Wenn man nun für jeden Schritt die Aktivitäten plant und dabei H (human), F (funktional) und P (prinzipiell) als Raster darüber legt und dafür sorgt, dass die richtige Symmetrie herrscht, so dass es heißt: H > F > P, dann wird man in der richtigen Wertebalance führen und die menschlichen Potenziale adressieren und heben. Man kann als Führungskraft aber auch folgendermaßen unterwegs sein: P > F > H. Was heißt das? Ich setze die Prinzipien und Regeln höher als die tatsächlichen Aktivitäten und sehe diese wieder als wertvoller an als den Menschen – also ist man bildlich gesprochen in der Diktatur. Die Motivation der Mitarbeiter wird entsprechend sein bzw. sie werden nicht mehr lange bleiben. Oder es heißt: F > H > P. Dann ist das Materielle offensichtlich wertvoller als die handelnden Menschen. Auch das ist für immer mehr Mitarbeiter inakzeptabel. Sie sehen, wie leicht es ist, richtige von falschen Sicht- und Handlungsweisen zu trennen.

Fragen Sie sich jeden Tag mehrfach, mit welcher „Brille“ sie auf die Situationen um sich herum sehen und auch auf sich selbst. Sehen Sie sich nur noch in Ihrer Rolle (F = funktional) oder in Ihrer beruflichen Zielsetzung (P = prinzipiell)? Oder erkennen Sie sich auch als einzigartiger Mensch (H = human), der losgelöst von Rolle und Zielen dazu da ist, das Universum auf seine ganz spezifische Art und Weise zu bereichern?

Fazit

Trotz aller Komplexität und Veränderung gibt es Konstanten im Dschungel der galoppierenden Entwicklungen. Diese müssen wir als einen Kompass nutzen und uns danach ausrichten. Es bleibt dabei: Menschliches ist stets wertvoller als Materielles, was wiederum wertvoller ist als Prinzipielles dahinter. Daher rührt auch der Ausspruch: Keine Regel ohne Ausnahme. Mit dem Raster des menschlichen „Grundcodes“ an Werten liegen sie immer richtig. Natürlich braucht es ein bisschen Übung, um das Ganze zielführend anzuwenden. Aber das ist keine „Raketentechnik“. Fragen Sie dazu bei Strametz & Associates nach, die in Wertewissenschaft geschult sind. Oder besuchen Sie uns bei profilingvalues. Lernen Sie, wie man als Führungskraft mit Werten in der Transformation geeignet umgehen kann.

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