Wie authentisch darf ich im beruflichen Setting sein?

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Authentizität in Persönlichkeitsentwicklung, Mitarbeiterführung und Krisenzeiten

Im beruflichen Kontext ist Authentizität ein Erfolgsfaktor: Neue Mitarbeiter sollen sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit ins Team einbringen und Angestellte wünschen sich ein glaubwürdiges Verhalten ihrer Führungskräfte.

Auch in unseren Seminaren und Trainings von Strametz sprechen wir viel über dieses Phänomen. Gerade junge Nachwuchskräfte fragen uns immer wieder:

Wie authentisch darf ich sein? Wann ist Authentizität unangebracht?

Lesen Sie hier unsere Statements zu Authentizität in der Persönlichkeitsentwicklung, als Führungskraft und in Krisenzeiten.

 

  1. Authentizität umfasst unsere Stärken und Schwächen

Authentizität wird überwiegend damit gleichgesetzt, „unverstellt, ehrlich und echt“ zu sein: Das ist enorm positiv konnotiert und wirkt im Vergleich zu den perfekten Selbstinszenierungen auf Social Media wie ein Befreiungsschlag.

Deshalb wird Authentizität in unserer Gesellschaft mit Anstand und Ehrlichkeit verbunden, wir denken an moralische Taten und vorbildliches Verhalten. Diese Echtheit bildet einen starken Kontrast zu falschen Inszenierungen.

Aber diese positive Bedeutungsebene von Authentizität ist nur eine Seite der Medaille: Wir handeln vollkommen authentisch – wie es unserem inneren Wesen entspricht – wenn wir unbeobachtet sind.

Abends auf dem Sofa zu liegen und Pizza zu essen – auch das kann ein Ausdruck von Authentizität sein.

Authentisch ist also das, was wir wirklich sind: Das betrifft nicht nur unsere Stärken und glanzvollen Momente, sondern auch unsere Schwächen.

 

  1. Authentizität braucht Selbstakzeptanz

Authentisch zu sein bedeutet also, seine ganze Persönlichkeit zu akzeptieren.

Dafür müssen wir auch unsere Schwächen aushalten: sich selbst anzunehmen, heißt nicht, dass einem alles an sich gefällt.

Hier lauert die Gefahr, Authentizität als einen Freifahrtschein misszuverstehen, um zu resignieren und in der persönlichen Komfortzone zu bleiben: „So bin ich nun mal.“ Dahinter steckt oft implizit der Gedanke: „Und das will ich auch nicht ändern.“

Aber wer seine Persönlichkeit akzeptiert, kann sich auch verändern.

In dieser Selbstakzeptanz steckt viel positive Energie, wenn wir Verantwortung für das eigene Verhalten übernehmen: „So bin ich, aber so muss ich nicht bleiben.“

 

  1. Darf ich mich im Job von meinen Gefühlen leiten lassen?

Bin ich authentisch, wenn ich mich so verhalte, wie es in der Situation gerade meinen Gefühlen entspricht?

Ist es legitim, dem Kollegen bei Projektabschluss lautstark die Meinung zu geigen, weil er seinen Job nicht gut gemacht hat?

Situative authentische Impulse im beruflichen Kontext bereuen wir oft. Aufwändig müssen wir danach die Wogen glätten und das Vertrauen zurückgewinnen.

Wer immer ausspricht, wie er sich fühlt oder was er denkt, reagiert zwar authentisch, aber dies ist im Unternehmen unangebracht. Das vollkommen Authentische ist nicht effektiv, es kann unprofessionell sein und mehr Arbeit verursachen.

 

  1. Authentizität im Job braucht Professionalität

Authentizität im beruflichen Kontext wird durch eine wichtige Zutat auf ein Maß zurückgestutzt, das sozial verträglich ist: Professionalität.

Im beruflichen Kontext gibt es Hierarchien und unausgesprochene Verhaltensregeln. Auch wenn Sie sich als ganzer Mensch ins Unternehmen einbringen wollen, sollten Sie sich stets Ihrer Rolle bewusst sein.

So können Sie reflektieren, welches Verhalten angebracht oder unangebracht ist.

Sich anzupassen, äußeren Erwartungen gerecht zu werden und sich auch mal zurückzunehmen, ist wichtig, um mit anderen auszukommen.

Ob in der Krisenkommunikation mit Teamkollegen oder beim Feedbackgespräch: Wir sollten gleichermaßen authentisch sein und rollenkonform handeln, damit wir angemessen reagieren. Die Kunst liegt darin, Rolle und Persönlichkeit auszubalancieren.

Selbstkontrolle und Angemessenheit machen aus der unüberlegten Authentizität 1.0 die besonnene Authentizität 2.0.

 

  1. Authentizität als Führungskraft in Krisenzeiten

Ist es als Führungskraft in Krisenzeiten angebracht, sich authentisch zu verhalten?

Gerade in Ausnahmesituationen braucht Ihr Team Sie als Vorreiter und Ermutiger, der Perspektiven aufzeigt und den Horizont für die Zeit nach der Krise weitet.

Nehmen Sie Ihre Rolle als Führungskraft an und agieren Sie als Motivator – ganz im Sinne der Professionalität, die Authentizität im beruflichen Setting benötigt.

Vielleicht kämpfen Sie selbst innerlich mit Sorgen – äußerlich machen Sie Ihrem Team Mut. Wie können Sie mit diesem Spagat umgehen? Ist das nicht unauthentisch?

Nein.

Denn Sie können unterscheiden, wo authentische Gefühle Raum haben und wo nicht.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie als Führungskraft gerade in Krisenzeiten für sich sorgen und sich im privaten Kontext Gesprächspartner suchen oder sich ehrlich mit Kollegen austauschen, wie es Ihnen mit der Teamführung in der Krise geht.

Zu wissen, in welchem Rahmen Sie Gefühle ungefiltert rauslassen können und wo Authentizität auch Selbstakzeptanz und Professionalität braucht, ist ein enormer Gewinn.

Das ist die besonnene Authentizität 2.0, die wir gerade in Krisenzeiten brauchen.  

 

Fazit

Wer beruflich erfolgreich sein will, sollte Authentizität nicht als statischen Zustand verstehen. Die Kunst liegt darin, zu erkennen, wann es dran ist, sich primär authentisch und in welchen Situationen es angebracht ist, sich eher rollenkonform zu verhalten. Die Mitte ist hier sicher häufig ein guter Weg. Wer sich der beiden Ansätze bewusst ist und sich reflektiert, lernt es, sich flexibel darauf einzustellen, welches Auftreten in einer Situation angemessen ist – er wird von anderen als stimmig wahrgenommen.

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